Zu Beginn einer Serie von CD Veröffentlichungen des Labels CPO mit der Pianistin Sheila Arnold und ihrem historischen Blüthner Salonflügel von ca. 1862 steht die CD „Appassionato“ mit Solowerken von Johannes Brahms und Jörg Widmann. Neben weiteren Solo-CDs werden die Sonaten für Violoncello und Klavier mit dem Cellisten Gustav Riviuns und die Violinsonaten mit der Geigerin Latica Honda-Rosenberg erscheinen.
Für das Kultursekretariat NRW Gütersloh stellt Sheila Arnold die zentrale Frage zu ihrem Instrument.
Wo liegt die Seele eines Flügels?
Sie gehen in einen Klavierabend. In meinem Fall werden Sie Werke von Johannes Brahms, Jörg Widmann und Frédéric Chopin mit einem historischen Blüthner Salonflügel aus den frühen 1860er Jahren hören. Eine Auswahl aus den Klavierstücken op. 118, op. 116, op. 117, den Balladen op. 10, Liedern in der Bearbeitung von Max Reger, Walzer op. 39, Jörg Widmann: 5 Intermezzi und aus den Nocturnes, Mazurken oder anderen Werken von Chopin.
Ein besonderes Hörerlebnis – noch aus einem weiteren Grund.Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wo eigentlich die Seele eines Flügels liegt?
Da ein Flügel genauso wenig ohne eine Pianistin klingen kann wie eine Pianistin ohne Flügel, ergeben beide eine Einheit gegenseitiger Resonanz. Es sind zwei Seelen, die miteinander ins Schwingen kommen. Wo die menschliche Seele liegt, wird noch erforscht. Ihr Ausdruck aber wird durch die Finger der Pianistin über die Tasten in den Flügel übertragen. Es ist eine (klang-)sinnliche Symbiose. Die Seele des Flügels liegt in seinen Hammerköpfen, die mit Filz oder Leder überzogen sind. Die Beschaffenheit der Hammerköpfe ist dabei von großer Bedeutung und es kann bei ein und demselben Flügel zu gänzlich unterschiedlichen Klangerlebnissen kommen, wenn die Hammerköpfe ausgetauscht würden. Die Saiten werden anders in Schwingung versetzt. So habe ich das eine Spielwerk klanglich nach einiger Recherche zusammen mit den Klavierbauern Paul McNulty/Sergei Kramer sowie in enger Zusammenarbeit mit Niklas Enzenauer durch individuelle Bearbeitung der Hammerköpfe einer für mich betörenden klanglichen Ästhetik angenähert, die den Vorlieben Johannes Brahms' entsprechen. Das zweite Spielwerk kommt in seiner Zartheit und dynamischen Abstufungen ins ganz Leise eher der Klangästhetik Frédéric Chopins und eines Pleyel Flügels nahe.
Sie als Publikum werden diese Unterschiede live miterleben können. Wir werden diese beiden Spielwerke zweier identischer Blüthner Modelle der 1860er Jahre aus meinem Privatbesitz während des Konzertes nacheinander eingesetzt.Was für einen Effekt hat das auf die Klangeigenschaften des Instrumentes? Gibt es dadurch neue Einsichten in die Werke, die wir spielen? Wie erleben wir die Kompositionsstruktur neu? Und was machen diese beiden Seelen mit unserer Seele? Fragen, die Sie ganz nach Ihrer persönlichen Wahrnehmung beantworten können.
Foto: Vision 3 Hannah Schareck