Programm
Samuel Barber: Streichquartett h-Moll op. 11 (19')
Charles Ives: Scherzo für Streichquartett „Holding Your Own“ (1,5')
Aaron Copland: Four Piano Blues (8,5')
George Gershwin: 3 Preludes (6’) und Liederbearbeitungen für Klavier (8')
Pause
Erich Wolfgang Korngold: Klavierquintett E-Dur op. 15 (33‘)
Alternativprogramm: „Amerika - neue Heimat“
In diesem Programm stehen Komponisten im Mittelpunkt, die in die USA emigrierten und dort eine neue Heimat fanden, also ein Konzertabend über Exil, Aufbruch und künstlerische Neuorientierung.
Sergej Rachmaninoff: Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 36 (in den USA überarbeitete Fassung von 1931) (20’)
Béla Bartók: Streichquartett Nr. 5 (in den USA komponiert) (30’)
oder Antonín Dvořák: Streichquartett op. 96 F-Dur „Amerikanisches“ (27’)
Pause
Erich Wolfgang Korngold: Klavierquintett E-Dur op. 15 (33’)
Das Programm bietet einen leichter zugänglichen, vielseitigen Einblick in die Musiktraditionen der Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert. Im Zentrum stehen Komponisten, die auf ganz unterschiedliche Weise den „amerikanischen Sound“ geprägt haben – von klassisch geprägter Kammermusik über jazzinspirierte Miniaturen bis hin zu genreübergreifenden Brückenschlägen.
Samuel Barber eröffnet den Abend mit seinem Streichquartett h-Moll op. 11, das das weltberühmte „Adagio for Strings“ enthält. Die lyrische Tiefe, emotionale Dichte und klare melodische Sprache machen dieses Werk zu einem der bedeutendsten Beiträge zur amerikanischen Kammermusik. Barber verbindet europäische Kompositionskunst mit einem zutiefst amerikanischen Gefühlston.
Einen Kontrast dazu bildet das kurze, pointierte Scherzo „Holding Your Own“ von Charles Ives – ein musikalisches Kuriosum voller schräger Rhythmen, überraschender Klangkombinationen und humorvoller Brechungen. Ives verkörpert den unorthodoxen Pioniergeist der amerikanischen Moderne, jenseits akademischer Strenge und mit einem Augenzwinkern versehen.
Aaron Coplands „Four Piano Blues“ führen in eine introspektive Klangwelt mit jazzigen Untertönen. Die kurzen Miniaturen wirken auf den ersten Blick schlicht, entfalten aber eine dichte Atmosphäre und spiegeln Coplands unverwechselbaren Stil: offen, klar, ehrlich – und zutiefst amerikanisch.
Mit George Gershwins „Three Preludes“ und ausgewählten Liedbearbeitungen für Klavier wird der Bogen zur populären Musik geschlagen. Gershwin war ein Brückenbauer zwischen Klassik und Jazz, zwischen Konzertsaal und Broadway. Seine Musik ist rhythmisch mitreißend, charmant und melodisch unverwechselbar – ein echter Ausdruck der kulturellen Vielfalt der USA.
Nach der Pause erklingt das Klavierquintett E-Dur op. 15 von Erich Wolfgang Korngold – als bewusster Kontrast zum amerikanischen Teil. Das Werk lässt hörbar werden, wie ein europäischer Komponist seine musikalischen Wurzeln ins Exil mitnimmt. In Hollywood wurde Korngold zum Inbegriff eines „amerikanischen“ Filmmusikers, doch seine Kammermusik zeigt: Der Klang der alten Welt lebt auch in der Neuen weiter – mit neuem Glanz und neuer Relevanz.
Foto: Kaupo Kikkas