„Vesalia hospitalis“, also gastfreundliches Wesel, geht zurück auf den Jahrzehnte andauernden, politischen und religiösen Schutz, den das damals lutherische Wesel vielen Glaubensflüchtlingen aus ganz Europa gewährte. Diesem Ehrennamen fühlt sich die Stadt auch heute noch verpflichtet. Das Projekt „Vesalia Hospitalis!“ zeigt die Flüchtlingspolitik im Wandel der Zeit und lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die stets weltoffene Gastfreundschaft der Stadt Wesel, um zu positiven Diskussionen über Integration anzuregen.
An zehn Laternenpfählen in der Innenstadt sind Schilder mit QR-Codes angebracht, auf denen spannende und ergreifende Flüchtlingsgeschichten aus den letzten 500 Jahren der Hansestadt Wesel mit dem Smartphone gescannt und angeschaut werden können. Die Geschichten haben mutmaßlich genau an diesen Orten stattgefunden.
Wesel wurde im 2. Weltkrieg zu 97 Prozent zerstört, sodass heute nur noch wenige erhaltene Bauwerke an die einstmals so prunkvolle und wichtige Hansestadt erinnern. Gerade durch den Zuwachs von Glaubensflüchtlingen konnte Wesel ihre Hanse besonders gut ausbauen.
Durch die Einbeziehung von KI wurden die Stadtkulissen der letzten 500 Jahre wieder zum Leben erweckt. Historische Schlüssel-Szenen sind in Filmsequenzen als persönliche Geschichten zu betrachten, die Hajo Mans, Schauspieler und Dozent von Theaterkursen, mit Laiendarsteller*innen aus Wesel vor einem Greenscreen einstudierte. Ergänzende Voiceover von Hajo Mans geben einen Überblick über den jeweiligen historischen Kontext. Der Ansatz, nicht nur die bislang sehr bekannten Bauwerke einzubinden, sondern bewusst auch Nebenschauplätze zu beleben, soll dazu führen, dass Besucher*innen und Bewohner*innen die Stadt Wesel aus einer erweiterten Perspektive kennenlernen.
Die Idee zu diesem Projekt stammt von Nicole Schillings, die auch die digitale Realisierung übernommen hat. Das Stadtarchiv Wesel half bei der umfänglichen Recherche und stellte zahlreiche Fotos bereit. Die Ausstattung der Darsteller*innen wurde von der Hanse-Gilde Wesel aus ihrem Fundus von über 400 Gewandungen vom Mittelalter bis zur Franzosenzeit zur Verfügung gestellt. Zusätzlich haben Mitglieder der Hanse-Gilde als Darsteller*innen in den Filmen mitgewirkt. Die Musik- und Kunstschule der Stadt Wesel, die ihre Räumlichkeiten mit mehr als 2.500 qm in der historischen Zitadellanlage hat, ist Projektträger und stellte Musikbeiträge zur Verfügung.
Weitere Unterstützung erhielt das Projekt von der Stadtverwaltung Wesel sowie von den Stadtwerken Wesel.
Foto: Nicole Schillings