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  • Eine Gruppe Jugendlicher unterhält sich angeregt.

(D)ein Ding: Let’s face it! Wer bin ich in der Gesellschaft?

Monheim am Rhein

Von Carla Waldikowski

Wer ist in unserer heutigen Gesellschaft eigentlich sichtbar und fühle ich mich dadurch repräsentiert?  Diese und weitere aktuelle Fragen stellten sich Schüler*innen des Otto-Hahn-Gymnasiums und erarbeiteten in einem 3-tägigen Workshop kreative Ausdrucksweisen, um ihre Perspektiven zu aktuellen Themen wie Feminismus, Sexismus, Rassismus oder Religionsfreiheit darzustellen. Die dabei entstandenen Fotoportraits stellten die Jugendlichen anschließend im Rahmen der „Internationalen Woche gegen Rassismus“ vor Ort in einem leerstehenden ehemaligen Ladenlokal aus und boten weitere themenbezogene Gestaltungs- Aktionen zum Mitmachen an.

  • Kunstsparte: Bildende Kunst
  • Alter der Teilnehmenden: 15 bis 18 Jahre
  • Zeitlicher Umfang: Frühjahr 2024
  • Initiiert von: Kunstschule Monheim am Rhein
  • Kooperationspartner*innen: Otto-Hahn-Gymnasium Monheim am Rhein

     

Auf der Suche nach persönlichen Themen

Als Auftaktveranstaltung des Projekts fand Anfang 2024 der Workshop „Let‘s Face It – Demokratie stärken, Vielfalt gestalten“ statt. In Kooperation mit der Kunstschule Monheim beschäftigten sich Schüler*innen des Otto-Hahn-Gymnasiums mit Fragen wie:

  • Wer kann an Demokratie teilnehmen?
  • Was sind wichtige Themen für mich?
  • Fühle ich mich repräsentiert?
  • Wer wird in der Gesellschaft abgebildet?
  • Was ist mein Verständnis von Freiheit, Gleichheit und Solidarität?

Nach intensiven Diskussionen, in denen verschiedene Positionen aufeinandertrafen, begann die Phase der Themenfindung und die eigenständige Arbeit der Jugendlichen. Die Teilnehmenden entwickelten allein oder in kleinen Gruppen fotografische Projekte, die sich auf persönlicher Ebene mit den zuvor behandelten Fragestellungen auseinandersetzten. Ziel war es, eine klare eigene Position zu formulieren und die individuelle Wahrnehmung fotografisch auszudrücken. Während des gesamten Prozesses wurden die Jugendlichen von der Künstlerin Vanessa Stratmann und Till Kentemich, einem Mitwirkenden der Kunstschule Monheim, begleitet.

Die Erarbeitung der Themen sowie die Planung erwiesen sich als anspruchsvoll: Die Herausforderungen erstreckten sich von der Notwendigkeit sich in der Darstellung zwischen gleich mehreren Themenkomplexen zu entscheiden bis zum Finden geeigneter Ideen zur Umsetzung.

Auf der Suche nach der passenden Umsetzung verließen die Jugendlichen das Schulgebäude, gingen in die Stadt oder in die angrenzenden Rheinauen – jede*r konnte sich beim experimentellen Fotografieren individuell ausprobieren und kreative Ansätze für die künstlerische Darstellung finden. 

 

Kunstschule Monheim

In den folgenden Workshoptagen besuchten die Schüler*innen dann auch die Kunstschule, um an ihren Fotowerken zu arbeiten. Dort hatten sie Zugriff auf viele verschiedene Materialien, um ihre Projekte zu verwirklichen. Der Erarbeitungsprozess bereitete den Teilnehmenden viel Freude und bot ihnen Gelegenheit, ihre eigene Sichtweise des eigenen demokratischen Handelns zu reflektieren und in Bildern festzuhalten. Dabei entstanden Fotografien zu verschiedenen Themen, die die Vielfalt und die Herausforderungen einer demokratischen Gesellschaft widerspiegeln.

In kooperativer Zusammenarbeit zur gemeinsamen Ausstellung

Nach der intensiven Arbeit an ihren Projekten ging es dann an die Planung der eigenen Ausstellung „Zusammen lauter!“. 

Im März verwandelte sich über zwei Wochen hinweg das leerstehende, ehemalige Ladenlokal „Aleganto“ in der Monheimer Altstadt zur Ausstellungsfläche für die analog und digital bearbeiteten Selbstportraits der Jugendlichen. Eine Auswahl der Arbeiten wurde zudem auf Social-Media-Kanälen im digitalen Raum veröffentlicht. 

Bei der Entwicklung der Ausstellung war den Jugendlichen der partizipative Aspekt besonders wichtig. Unterstützt durch die Expertise der Künstlerin Vanessa Stratmann zum Thema Ausstellungsarchitektur wurden die Jugendlichen dazu befähigt, Konzeptideen in der Gruppe zu koordinieren und in ein funktionales Ausstellungsdesign zu übertragen. Neben der Erfahrung kultureller Teilhabe durch die Positionierung ihrer Werte im Ausstellungs- und Aktionsraum gewannen die Teilnehmenden durch die Verantwortung eigener Konzeptideen und die Umsetzung der Ausstellung ein hohes Maß an Planungskompetenz. 

Vermittlungsangebote im zweiwöchigen Aktionszeitraum 

Mit dem Format der „Walk-Ins“ hatten Schulklassen die Möglichkeit, die Ausstellung auch vormittags zu besuchen und vor Ort im Dialog mit den Arbeiten der Jugendlichen über Themen wie Demokratie, Vielfalt und Repräsentation ins Gespräch kommen. Insgesamt wurden über 15 Führungen gebucht und knapp 300 Schüler*innen von den Projektbeteiligten durch die Ausstellung geführt. 

Doch bei einer reinen Ausstellung sollte es nicht bleiben. So planten die Jugendlichen verschiedene künstlerische Mitmach-Aktionen und schufen einen belebten Ausstellungsraum, in dem sich die Besucher*innen u.a. an einer Foto-Installation, einer Siebdruck-Station oder einer Plakat-Aktion beteiligen konnten. 

Die Ausstellung stößt auf positive Resonanz

Die Fotoarbeiten und das Engagement der Jugendlichen wurden von den Ausstellungsbesucher*innen als „bemerkenswert“ beschrieben und auch die Jugendlichen selber berichten positiv von der Teilnahme an dem Projekt:

„Ich fand es super, dass wir den Raum so frei nutzen konnten. In den zwei Wochen war das unser Raum und wir fühlten uns schon fast wie zu Hause. Wir haben es uns aber auch schön gemacht. ;-)“ Mila, 17 Jahre

„Am Anfang waren die Schülerinnen und Schüler, die uns besuchen kamen, so gar nicht offen. Als wir dann am Ende mit denen gesprochen haben, haben die das voll verstanden und richtig gute Sachen gesagt.“ Kai, 16 Jahre

Auch für die Kunstschule Monheim war die Erfahrung des partizipativen Arbeitens besonders eindrücklich: Es zeigt, wie bereichernd es ist, wenn Jugendlichen ein Raum für ihre Stimmen gegeben wird und diese Stimmen gehört werden – egal wie divers und kontrovers sie sind. 

Dass das Projekt überzeugt hat, zeigt sich nicht nur an der Begeisterung der Teilnehmenden und Besucher*innen, sondern wohl letztlich ebenso an der Auszeichnung, die es im Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“ erhalten hat. In der Ausschreibungsrunde 2024 des Kinder- und Jugendwettbewerb zur Förderung der demokratischen Kultur nahmen über 16.000 Jugendliche mit 411 Projekten teil, die sich mit den aktuellen Herausforderungen unserer Zeit auseinandersetzen. Das Monheimer Projekt wurde dabei als eins von 50 besonders beispielgebenden Projekte ausgewählt, die an dem Junify Demokratiefestival in Berlin teilnehmen durften. Dort konnten die Jugendlichen über drei Tage hinweg in den Austausch mit weiteren Wettbewerbsteilnehmer*innen kommen und sich untereinander vernetzen.  

 

Kontaktdaten:
Kunstschule Monheim am Rhein 
Brigitte Schörmann
E-Mail: bschoermann[at]monheim.de


 

Fotos von: Vanessa Stratmann

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