Was bedeutet Zeit für uns im digitalen Zeitalter? Wie hat sich unsere Wahrnehmung von Zeit verändert, seit sie durch digitale Geräte wie Computer, Server und vernetzte Infrastrukturen vermittelt wird? Und welche Rolle kann die Natur dabei spielen, unsere Zeitwahrnehmung so nah wie möglich an unserer menschlichen Existenz zu halten? Das künstlerische Forschungsprojekt „Experiencing Time” zielt darauf ab, kritisch zu untersuchen, wie die Erfahrung von Zeit in digitalen Gesellschaften konstruiert, standardisiert und durchgesetzt wird, oft auf eine Weise, die unsere biologischen Rhythmen außer Kraft setzt. Ausgehend von feministischer Theorie, Chronobiologie und Medienarchäologie untersucht Silvia Binda Heiserova den Kontrast zwischen dem Vergehen der Zeit in der natürlichen Umgebung der Region Schöppingen einerseits und der digitalen Welt andererseits. Zu diesem Zweck wird sie während ihres dreimonatigen Residenzaufenthaltes den Gartenraum als Labor für Datenerhebung und künstlerische Forschung nutzen.
In den Prozess ihrer künstlerischen Forschung lädt Heiserova u.a. Schüler*innen der Sekundarschule Horstmar Schöppingen (im Rahmen des dort neu angelegten Schwerpunktes zur kulturellen Bildung) und Bewohner*innen der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) Schöppingen (im Rahmen der regelmäßigen Kooperation von Künstler*innendorf und ZUE) ein. Da die Erfahrung von Zeit sehr individuell ist, werden auch andere Fellows des Künstler*innendorfs, aus unterschiedlichen Disziplinen, in den Prozess und die konzeptionelle Ideenfindung dieses Projekts einbezogen.
Als Ergebnis des Projektes wird am Sonntag, 18. Oktober 2026, im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung mit Künstlerinnengespräch eine Reihe von elektronischen Skulpturen präsentiert. Diese Prototypen entstehen hauptsächlich in den Holz- und Metallwerkstätten des Künstler*innendorfs. Unter Verwendung unterschiedlicher Daten und Kollaborationen aus Schöppingen und technischer Elemente, stellen sie jeweils verschiedene Zeitlichkeiten dar.