Kultursekretariat NRW Gütersloh

duo imPuls

„minimalBACH“

Das Projekt „minimalBACH“ widmet sich den Präludien aus dem 1. Band des „Wohltemperierten Klaviers“ von Johann Sebastian Bach. Die Kompositionen für zwei Klaviere von Sebastian Bartmann stellen die Präludien in den neuen, aufregenden Hörkontext der „minimal music“ und verweben Bachs Musik zu einem betörenden und cineastisch-mitreißenden Sog. Im wohltemperierten Klavier lassen sich unzählige minimalistische Strukturen finden. Bachs charakteristische Kompositionstechnik der sog. „Fortspinnung“ entwickelt kleine musikalischen Ideen und Motive zu einem kunstvollen Gewebe.

Die „minimal music“ – mit den Hauptvertretern Steve Reich, Philipp Glass und Terry Riley – brachte eine bis dahin unbekannte radikale Einfachheit hervor. Auf ein motivisches Fortspinnen in der Art wie es bei Bach geschehen ist, wurde verzichtet. Stattdessen wurden über lange Strecken nur kleinste Veränderungen an Motiven und Patterns vorgenommen.

„minimalBACH“ nimmt die Affekte der einzelnen Präludien von J.S. Bach ins Visier. Zeitlupe, Loops, harte Schnitte, Überblendungen, Farbkorrekturen und viele andere Kreativ-Techniken sind bereits in das allgemeine Verständnis von Bild- und Tonsprache gerückt. Mit den Techniken der minimal music und der klanggewaltigen Bilderwelt der Filmmusik extrahiert der Komponist Sebastian Bartmann die Strahlkraft der einzelnen Präludien und betrachtet den gesamten Zyklus wie durch ein glitzernd-faszinierendes Kaleidoskop.

Komponist Sebastian Bartmann sagt: „Als Kind bin ich ungezwungen und spielerisch mit allen Tönen umgegangen, die mich umgaben, noch bevor ich überhaupt Noten lesen konnte. Auch heute ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich beim Spielen von Originalliteratur bestimmte Takte und Momente anders fortzuführe, improvisatorisch hinterfrage und Alternativen ausprobiere. So auch beim wohltemperierten Klavier. Die minimalistische Schlichtheit und zugleich betörende Schönheit in vielen Präludien faszinierte mich seit meiner Kindheit, und ich begab mich mit „minimalBACH“ auf eine kompositorische Reise, noch tiefer in diese pulsierende Klangwelt voller Rätsel einzutauchen. Zwischen zwei gegensätzlichen Polen fühlte ich mich dabei hin- und hergerissen. Die Fortspinnung, das Weiterentwickeln eines kleinen Motivs sowie das kontrapunktische und harmonische Reagieren auf der einen Seite – die radikale Einfachheit und das sich stetige und nur minimal verändernde Wiederholen auf der anderen. Ich fing an, Momente, die mich fesselten, als Ausgangspunkt zu nehmen und radikal andere Takte oder Motive aus demselben Präludium dem gegenüber zu stellen. Interessanterweise entstand daraus eine eigenständige Polyphonie, ein stetiges Pulsieren und neue Klangschichtungen, die mich faszinierten. Oft war es so, dass sich die Linien gegenseitig so stark beeinflussten, dass sie ein Eigenleben entwickelten. Der Fokus in „minimalBACH“ liegt nur auf den Präludien, denn die Fuge erscheint für mich schon als unantastbare logische Fortführung, aus einem kleinen Baustein ein großes Gebäude zu errichten. In Bachs Fugen geschieht dies allerdings immer im Wechselspiel von Kontrapunkt und harmonischen Regeln. In meiner Komposition wollte ich die bereits vorhandenen minimalistischen Strukturen in den Präludien noch stärker aus dem Blickwinkel der minimal music beleuchten, kompromisslos, was die Harmonik anbelangt, aber niemals den Affekt des ursprünglichen Stückes aus den Augen verlierend. Die Musik sollte betörend bleiben und gleichzeitig die vielfarbigen, virtuosen Klangmöglichkeiten unseres Klavierduos voll ausnutzen. Zugleich war es mir wichtig, die groß angelegte Architektur des Zyklus nicht zu verändern. Wie in einem Aufzug bewegen wir uns langsam durch die Tonarten, die Bewegung hört nie auf und wir landen schließlich wieder am Anfang. Daher entschied ich mich nach dem schmerzhaften und assoziationsschweren h-moll-Präludium, das berühmte C-Dur-Präludium an den Schluss zu setzen. Reduziert auf die Harmonien in willkürlichen Tremoli, verkörpert dieser Epilog noch einmal die Idee des gesamten Kaleidoskops „minimalBACH“. Wobei die kompositorische Umsetzung geradezu simpel ist: Piano 1 spielt nur gerade Takte und Piano 2 nur ungerade, gleichzeitig und im halben Tempo. Durch die Überlagerungen der Tremoli entsteht der Höreindruck, man befinde sich in einer Kathedrale, das Vertraute schimmert nach wie vor durch, und kehrt zum Ruhepunkt zurück, Ende und Neubeginn zugleich....“

Foto: Sanela Selimovic

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